Pärchenkacke

Ich lebe zurzeit in der bemitleidenswerten Situation, mir als Single die Wohnsphäre mit zwei Pärchen teilen zu müssen. Hier wird geknutscht, da wird Händchen gehalten… Ständig wird im Zweikanalton von gemeinsamen Erlebnissen erzählt. Dann schließen sich die Paare in ihren Zimmern ein, aus Gründen der Diskretion traue ich mich nicht mal zu klopfen – ich weiß ja nicht, wobei ich gerade störe – und versinke in Einsamkeit und Depression. Die Unternehmungen beschränken sich auf 2-Personen-Gruppen und heißen „nett essen gehen“, „nett in den Zoo gehen“ und „nett fernsehen“ und sagen im Subtext: „Dritte sind nicht erwünscht!“ Also beschränke ich mich auf Ein-Personen-Gruppen-Unternehmungen wie „sinnlos im StudiVZ surfen“, „den Bildschirmschoner meines neuen PCs anstarren“ und „demotiviert Realityformate auf Privatsendern anschauen“.
 
Ach ja, ich tu mir schon manchmal wirklich leid. Aber ich muss hier auch mal eine Lanze für das Selbstmitleid brechen. Selbstmitleid ist nicht immer schlecht. Es motiviert ja auch. Aus Selbstmitleid entspringt der Wille, etwas zu ändern, um dem persönlichen Lebensdrama zu entfliehen. Ohne Selbstmitleid droht mensch in ewiger Gleichgültigkeit zu versauern, ohne dass sich je etwas zum Guten ändern KANN.
 
Und dennoch muss ich mir an dieser Stelle die Frage stellen, ob denn diese Pärchenkacke wirklich so erstrebenswert ist! Ist es denn wünschenswert, das gesamte Wochenende in trauter Zweier-Isolation zu verbringen? Ist es nicht viel mehr wünschenswert, seine freien Tage aktiv mit verschiedenen Leuten zu verbringen, für die mensch unter der Woche keine Zeit hat? Ist es wirklich erstrebenswert sich am Samstagvormittag 2 Stunden lang in der Küche anzuschreien, so dass die gesamte WG auf ihren Kaffee verzichten muss, weil keine_r in die Schuss- oder Tassenwurflinie geraten will? Ist es nicht viel besser, selbstständig ohne Diskussionen entscheiden zu können, worauf eins Lust hat? Ist es wirklich positiv, den Druck zu verspüren, jede Minute mit Schatzi zu nutzen, bevor die Arbeitswoche dies wieder verhindert? Ist es nicht viel besser, einfach den Tag auf sich zukommen zu lassen und einfach mal ein paar Stunden mit völligem Nichtstun zu entspannen?
 
Ich sage: JA! Das ist viel besser.
 
Das nennt sich auch Autosuggestion: ich rede mir ein, dass meine Situation eigentlich total angenehm und anderen Alternativen vorzuziehen ist. In Wahrheit aber sitze ich nutzlos vor meinem PC und schreibe diese Zeilen, während nebenan der Sonntagnachmittag mit zärtlichen Schmuseeinheiten verbracht wird.
Wenn ich es also genau betrachte, wär ich doch durchaus bereit ein paar Einbußen zu machen. Ein bisschen Pärchenkacke ist vielleicht gar nicht so schlimm!?

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