Man(n) braucht TÜV

Ich mag ja die einen oder anderen Vorurteile gegenüber der männlichen* Spezies haben. Natürlich nicht unbegründet! Immerhin habe ich schon einige Vertreter dieser merkwürdigen Rasse in freier Wildbahn und auch aus nächster Nähe beobachten dürfen. Aber ich habe dennoch manchmal Unrecht. Das gebe ich offen zu. Manchmal aber bestätigt die Spezies Mann* meine Vorurteile sogar ganz offen heraus. So geschehen am gestrigen Abend, als ein männliches* Wesen in Bezug auf seine letzte Beziehung sagte: „Ich war da ganz der Mann* und habe nicht gemerkt, dass es nicht mehr funktionierte.“ Ich nickte verhalten (während ich innerlich lachend im Kreis hüpfte) und sagte vorsichtig: „Ja, das kenne ich auch.“

Woran liegt es nur, dass Mann* sich in einer glücklichen Beziehung wähnt, während Frau* sich alleine im Bad die Augen ausweint? Woran liegt es, dass Mann* weder die verlaufene Mascara bemerkt, wenn Frau* aus dem Bad tritt, noch den Satz „ich bin unglücklich“ länger als drei Minuten im Gedächtnis abspeichern kann? 
 
Ich glaube, es hat damit zu tun, dass viele Männer* noch in einem Rollenbewusstsein groß gezogen werden, in dem es nicht Teil ihres Aufgabenspektrums ist, eine Frau* glücklich zu machen. Vielmehr ist es Aufgabe der Weibchen*, ihr Männchen* zu verwöhnen und sicher zu gehen, dass es ihm an nichts mangelt. Leider hat – und hier muss ich meine Leser leider erneut ein wenig schockieren – in den letzten Jahrzehnten etwas stattgefunden, das wir „Emanzipation“ nennen. Frauen* sehen es nicht mehr als ihre Aufgabe, sich ganz dem Wohlbefinden eines Kerls* zu widmen. Und es geht noch weiter – auch das habe ich schon mehrfach betont: Der Mann* ist überflüssig geworden. Keine Frau* braucht heute noch einen Mann*! Und ich rede hier nicht von den emotionalen oder sexuellen Vorteilen. Die will ich nicht leugnen. Aber zum (Über)Leben braucht kein weibliches* Wesen heute mehr ein männliches* Gegenüber, das die Säbelzahntiger von der Höhle fern hält oder den monetären Lebensunterhalt nach Hause schafft. 

Was ist daraus die Konsequenz für den (post)modernen Mann*? Er muss sich Mühe geben. Sein Frauchen* bleibt nicht mehr aus reiner Notwendigkeit an seiner Seite. Sie muss sich nicht 24/7 dafür bedanken, dass er ihre Existenz sichert. Im Gegenteil sind Frauen* in vielen Beziehungen inzwischen die stärkeren Persönlichkeiten und als solche wollen sie anerkannt werden. Es geht also nicht mehr nur um das Wohlergehen des Mannes*, sondern endlich auch um das Wohlergehen der Frau*. Und ergeht es ihr nicht wohl, dann geht sie halt. 
 
Und jetzt noch mal für Männer*: 
Weil sich der allgemeine Mann* ja mit emotionalen und zwischenmenschlichen Themen etwas schwer tut, will ich das noch mal auf einer Ebene erklären, die auch Menschen mit zwei unterschiedlichen Chromosomen verstehen. Mit einer Beziehung ist das so wie mit einem Auto. Mein Auto muss jetzt durch den TÜV, so wie auch jede Beziehung regelmäßig einer inneren Überprüfung standhalten muss. Der freundliche Mechaniker der Werkstatt meines Vertrauens guckte sich mein Auto an und sagt, um seine Lebensdauer zu verlängern, müsse ich ein Monatsgehalt investieren. „Lohnt sich das?“ fragte ich mit Tränen in den Augen. „Das lohnt sich prinzipiell immer“, sprach der – übrigens wahnsinnig attraktive – Mechaniker. „Wenn das Auto Ihnen sonst keinen Ärger macht, lohnt sich das immer.“
 
Und so läuft das auch mit Beziehungen. Frau* setzt sich mit der besten Freundin bei einer Flasche Prosecco und einer Flasche Aperol zusammen und lässt sich von ihr den Beziehungs-TÜV abnehmen. Die beste Freundin schildert ihren Eindruck von der Beziehung, Frau* geht in sich und überlegt, wie es ihr ergangen ist. „Gut, er lässt immer die Haare im Ausguss und die Klobrille oben, der Sex war auch schon mal besser und ich muss ihn immer an alle Geburtstage erinnern, sogar an die von Leuten, die ich nicht mal persönlich kenne. Aber im Grunde genommen war ich immer glücklich.“ Super. Da lohnt es sich, Kraft und Zeit zu investieren, um dem Männchen* beizubringen, in welchem Zustand man das Bad zu hinterlassen hat und wie mensch einen Terminkalender bedient. Etwas anderes ist es, wenn Frau* zu dem Schluss kommt: „Zusammengerechnet war ich im letzten Jahr an etwa drei Tagen glücklich.“ An dieser Stelle lohnt es sich nicht, noch mehr in die Beziehung reinzupumpen bis eins emotional und kräftetechnisch vollkommen blank ist. Der Mann* ist schrottreif. Traurig, aber wahr. 
 
Gegenüber Autos habt Ihr, liebe Männer*, einen gewaltigen Vorteil: Ihr habt Ohren und Augen, Lippen und Hände, Beine und Arme! Meine geliebte rote Luzi steht mit abgelaufener TÜV-Plakette vor dem Haus und kann nichts weiter tun, als sich in ihr noch unbekanntes Schicksal zu begeben. Ihr aber könnt das Ruder rumreißen, die Ohren aufsperren, Signale wahrnehmen, verarbeiten, Initiative ergreifen und Frauen*herzen erobern. Mit meinem könnt ihr gerne anfangen!

2 thoughts on “Man(n) braucht TÜV

  1. Anonym

    Liebe Sophie, meinen Sie das ernst? Wenn ja: das ist traurig…

  2. Was jetzt genau ist traurig?

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