Wie bewerbe ich mich richtig?

Ganz wichtig bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist es, ausreichend Zeit einzuplanen. Ist der Termin um 11 Uhr, sollte mensch um 7 das Schlafzimmer verlassen, ein stärkendes Frühstück einnehmen („Ich bin so aufgeregt, ich kann gar nichts essen…“), duschen und sich in Schale werfen. Das Problem ist, dass sich ein gut gefüllter Kleiderschrank am Morgen vor einem Bewerbungsgespräch grundsätzlich in einen Haufen nicht zusammengehörender Lumpen aus dem letzten Jahrhundert verwandelt. Deshalb ist es ratsam, die Wahl des Outfits schon am Vortag abzuschließen.
 
Da ich mir am Vorabend jedoch mit zwei Bier hatte Mut antrinken müssen, war ich zu dieser vorbereitenden Maßnahme nicht mehr gekommen. Was nun? Rock oder Hose? Aber zu dem einzig angemessenen Rock habe ich keine passenden Schuhe. Zu den einzig angemessenen Schuhen habe ich keinen passenden Rock. Das angemessene Top passt zu den Schuhen, aber nicht zum Rock. Ich kann doch nicht mit einem rückenfreien Top zum Bewerbungsgespräch gehen, oder?! Gehen Jeans? Offene Sandalen?
 
Ganz wichtig bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist es, ausreichend Zeit einzuplanen. Nach dem Frühstück sollte ein intensives Studium des Internetauftritts des Unternehmens, bei dem mensch sich vorstellen möchte, eingeplant werden. Mensch sollte insbesondere folgende Fragen vorbereiten: Was gefällt Ihnen an unserem Unternehmen? Warum glauben Sie, in unser Unternehmen zu passen? Was ist ihre Gehaltsvorstellung? Vertrödelt mensch zu viel Zeit bei der Auswahl der Kleidung ist eine angemessene Vorbereitung dieser Fragen natürlich nicht mehr möglich.
 
Ganz wichtig bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist es, ausreichend Zeit einzuplanen. Also konsultierte ich die Homepage der BVG und suchte mir eine passende Verbindung raus. Wie das nun mal so ist mit der BVG: Wenn eins nicht zu spät kommt, kommt eins zu früh. Eine halbe Stunde vor Beginn des Termins ist definitiv zu zeitig. Also entschloss ich mich, die verbleibende Zeit mit einem kleinen Spaziergang zu verbringen. Ich hatte zwei entscheidende Faktoren nicht in diesen Plan integriert: 1. Das Wetter: Es war warm. Und da das einzig farblich passende Oberteil rückenfrei war, musste ich darüber eine Jacke tragen. 2. Die Schuhe: Die einzigen zu dem Outfit passenden Schuhe produzieren stets beim ersten Tragen der Saison Blasen und Druckstellen verschiedenster Art. Optimiert wurde diese Aktion dadurch, dass das Unternehmen im vierten Stock eines alten Fabrikgebäudes residierte. Ohne Fahrstuhl natürlich.
 
Als ich rechtzeitig, 5 Minuten vor Beginn des Termins, vor der Tür der Firma ankam, war ich von Kopf bis Fuß durchgeschwitzt und nicht mehr in der Lage, mich in meinen Schuhen auf eine würdevolle Art und Weise fortzubewegen. Meiner Jacke konnte ich mich ja nicht entledigen, also nahm ich dankend das erste Glas Wasser an, das mir angeboten wurde.
 
Die erste Frage, was mir besonders an dem Unternehmen gefalle, beantwortete ich mit gekonnt rhythmischem Stottern. Warum ich in das Unternehmen passte, wollte mir plötzlich partout nicht mehr einfallen. Und Gehaltsvorstellung? Äh… „Ich weiß, das ist eine schwere Frage, aber… Ist das eigentlich Ihr erstes Vorstellungsgespräch?“ Das bis hierhin mittelprächtig laufende Bewerbungsgespräch optimierte ich durch meine gut überlegte und glanzvolle Aussage, ich würde nicht nach einer Möglichkeit suchen, groß Karriere zu machen. Arbeit würde niemals das wichtigste in meinem Leben sein, stattdessen hätte ich noch andere Pläne, wie z.B. die Gründung einer Familie.
 
Die logisch Konsequenz wäre wohl gewesen, mich mit gutmütigem Lächeln und dem Kommentar „Wir melden uns“ nach Hause zu schicken. Stattdessen aber wurde mir die Stelle in Aussicht gestellt.
 
Mehr Glück als Verstand oder alles richtig gemacht? Sollte ich den Job bekommen, werde ich mal nachfragen, was meine zukünftigen Arbeitgeber_innen überzeugt hat: Der nervöse Gesichtsschweiß, das Stottern oder die anstehende Familiengründung. Darüber werde ich dann einen ganz neuen Ratgeber schreiben: „Bewerben mit Hilfe paradoxer Intervention“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>