Wenn die Glocken läuten

Mein Ex-Freund hat geheiratet. Das kann ja jedem mal passieren. Aber es ist so wie mit der Zellulitis. Du weißt, dass sie eines Tages kommt, aber wenn es so weit ist, bist Du trotzdem verzweifelt.

Warum ist das eigentlich so schlimm, frag ich mich. Immerhin hab ich vergangenes Wochenende einen anderen Ex-Freund zum ersten Mal mit seiner neuen Ische gesehen und war völlig unbeeindruckt von der Situation. Statt innerlich zu heulen „Der hat doch mal mir gehört! Buhu!“ dachte ich mir nur „Jetzt muss er sich wohl mit weniger zufrieden geben.“ Boshaft, ich weiß. Aber in Bezug auf Ex-Partner ist Boshaftigkeit, zumindest zu einem gewissen Grad, ausnahmsweise mal erlaubt.

Warum aber wurmt mich diese Hochzeit so, obwohl die romantischen Zeiten mit dem entsprechenden jungen Mann* schon etliche Jahre her sind und ich ihn inzwischen weder besonders attraktiv noch interessant finde?! Die Antwort: Es geht ja eigentlich gar nicht um ihn, oder um seine Frau*. Es geht mal wieder – wie so oft im Leben – darum, dass jemand etwas hat, dass ich nicht habe. Ich bin neidisch.

Die ganze Zeit denke ich mir „Das hätte ich sein können, die einen so wundervollen Antrag und eine märchenhafte Hochzeit bekommt.“ Während also mein Ex die Standard Hollywood Trauung in die Brandenburger Realität holt, sitze ich daheim mit einem Partner, der beim Wort Hochzeit plötzliche Atemnotanfälle bekommt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es um unsere potentielle Hochzeit, die Hochzeit eines Freundes oder einfach Rolfs Vogelhochzeit geht.
Weil er weiß, dass er durch dieses Verhalten in meinem Ansehen sinkt, denkt er sich immer wieder neue Ausreden aus. Die Standardausrede, die sicher jede Frau* kennt, ist die „Ich brauche keine Unterschrift, um meine Liebe zu besiegeln!“ Diese Aussage rückt einen sofort in die Position der Angeklagten, denn der Subtext sagt uns: „Soso, Du brauchst also einen Standesbeamten, der Dir bestätigt, dass Du wirklich in mich verliebt bist!? Mein Herz ist so voller Liebe, dass ICH das alleine kann.“

Als ich auf die Ausrede erwiderte, mir würde eine kirchliche Trauung vollkommen ausreichen, kam die zweitbeliebteste Ausrede: „Ich hab’s ja nicht so mit der Religion. Da sollte man dann auch ehrlich sein und nicht kirchlich heiraten.“
Damit hatte er mich ein paar Wochen und Monate erst mal ruhig gestellt. „Dann heirate ich eben nicht“, dachte ich mir und schmollte vor mich hin. Bis ich mich irgendwann dafür entschied, von meinen Prinzipien abzurücken und ich ihm hoffnungsfroh mitteilte, ich würde nicht mehr auf eine kirchliche Hochzeit bestehen.

Was nun?! Die beiden Standard-Ausreden waren verbraten. Schnell mal in die FHM gucken und eine dritte raus suchen. Das Ergebnis war die bisher beste Hochzeitsausrede, die mir jemals untergekommen ist: „Ich will doch, dass Deine (man bemerke hier den Fokus auf die Frau*!) Hochzeit unvergesslich wird und genauso, wie Du sie Dir erträumt hast. Und weil es mir so am Herzen liegt, diesen Tag für Dich so perfekt wie möglich zu gestalten, will ich noch ein bisschen sparen.“ Diese Aussage ist vor allem deshalb geschickt, weil sie mir nicht nur suggeriert, die Wartezeit sei nur zu meinem Besten, sondern einen enormen Spielraum für den Mann* eröffnet, was die Interpretation von „ein bisschen“ betrifft.

Unter Umständen sitze ich also in 30 Jahren immer noch unverheiratet vor dem PC, während mein Freund die Milliarden auf seinem Konto hortet und ein Buch über die besten Hochzeitsausreden schreibt.

In Anbetracht dieser Aussicht muss ich wohl doch auf die Hochzeit meines Ex-Freundes gehen. Nein, nicht um die Braut im See zu ertränken, sondern um ihr mit aller Gewalt den Brautstrauß zu entreißen, der mir als Ex-Freundin des Bräutigams sowieso zusteht! Denn wir wissen ja: Wer den Brautstrauß klaut, wird als nächstes an die Kette der Ehe gelegt!

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