Überlebensstrategien

Dass Männer* und Frauen* ein unterschiedliches Sexualverhalten an den Tag legen, ist kein Geheimnis. Zahlreiche Menschen haben sich bereits mit dieser Problematik auseinander gesetzt, populärwissenschaftliche Abhandlungen darüber geschrieben und sogar verfilmt – was der Aufklärung des Phänomens im Übrigen nicht geholfen hat.

Was mir hierbei besonders ins Auge sticht ist der Trieb. Obwohl wir in der Psychologie meist über die freudianischen Triebtheorien hinausgewachsen zu sein glauben, benutzen wir den Terminus im Alltag noch immer inflationär. Manchmal verpacken wir ihn auch in Formulierungen, die das Gehirn des Mannes* in seinen primären Geschlechtsorganen verorten.

Empirisch nachzuweisen ist die außergewöhnliche Stärke des männlichen* Sexualtriebs im Vergleich zum eher schwach ausgeprägten weiblichen Trieb in Extremsituationen. Mit Extrem möchte ich hier die Abweichung von Normal beschreiben. Als Beispiel: Frau* ist krank (nicht nur angeblich, sondern wirklich). Egal wie krank die Frau* auch ist – der Mann* wird auch dann noch an Geschlechtsverkehr mit ihr denken, wenn ihr bereits sämtliche Extremitäten fehlen („Oh, wie praktisch!“). Im Gegenteil dazu die Frau*: sollte sie ihren Mann* in einem leicht erkälteten Zustand vorfinden, schlägt ihr Sexualtrieb sofort in den Muttertrieb um, und statt ihn zu besteigen, beginnt sie Tee und Suppe zu kochen. Oder eine andere Extremsituation: Mann* und Frau* befinden sich kurz vor dem Untergang der Welt. Was tun sie, bzw. was wollen sie tun? Die Frau* will bestimmt noch etwas loswerden, was ihr auf der Seele liegt. Entweder möchte sie ein Vergehen gestehen, oder doch ein Liebesbekenntnis loswerden… vielleicht an gemeinsame Erlebnisse erinnern. Und der Mann*? Der hat keinen Bock auf Laber-Rabarber. Der will einfach nur… Genau!

Als Frau* ist dieser Umstand wirklich zum Verrücktwerden. Egal wie schlecht es einer geht, eins bleibt doch immer ein Sexobjekt. „Du hast Fieber? Vielleicht solltest Du etwas ausziehen, dann schwitzt Du nicht so!“ Oder: „Verspannt? Ich könnte Dich massieren… Ach Brustschmerzen!? Na, ich sagte doch, ich kann Dich massieren!“

Woher kommt das nur? Im Grunde macht es doch gar keinen Sinn ein im Sterben befindliches Weibchen* zu besteigen. Das ist doch reine Genverschwendung! Oder hat das Männchen* schon von Urzeiten an ein so kleines Selbstbewusstsein, dass es sich das schwächste verfügbare Weibchen* sucht? Auch das macht keinen Sinn, schließlich muss das Weibchen* den Nachwuchs ja noch auf die Welt „werfen“.

Nein, diese Verhaltensabnormität kann keinen evolutionären Grund haben. Vielmehr sehe ich hierin eine Reaktion auf unser Gender-Studies-Zeitalter. In einer Epoche, in der Männer* immer häufiger Frauen*rollen übernehmen, indem sie z.B. in den Vaterschaftsurlaub gehen, muss der Mann* sich ständig als solcher behaupten. Die Pflege von männlichen* Attributen ist überlebenswichtig geworden. Ein Mann* muss – selbst wenn es ihn nicht die Bohne interessiert – Fußball gucken. Er muss – auch wenn er es „unästhetisch“ findet – Hardcore Pornos ansehen. Er muss – auch wenn er es unappetitlich findet – beim Biergenuss laut aufstoßen. Er muss – auch wenn es nie, wirklich nie juckt – regelmäßig an seinen Eiern kratzen. Und er muss – auch wenn er gar keine Lust hat – Lust auf Sex haben.

Das Paradox im letzten Satz ist die Erklärung für unser Phänomen. Wenn die Frau* krank danieder liegt, ist auch dem dümmsten Mann* klar, dass es keine Aussicht auf sexuelle Triebbefriedigung gibt. Diese Gelegenheit kann er also unbesorgt nutzen, um seine Männlichkeit* gefahrlos unter Beweis zu stellen, indem er jede ihm zu Verfügung stehende Verführungsstrategie nutzt.

Liebe Frauen*: wenn Ihr Euch mal wieder als Sexobjekt degradiert fühlt, weil Euer Mann* statt Suppe oder Tee zu kochen auf Eure vom Schüttelfrost erigierten Brustwarzen starrt, habt Mitleid mit ihm. Gönnt ihm eine verbale Anerkennung seiner Männlichkeit*, wie z.B. „Du denkst aber auch immer nur an das eine!“ Schmeißt einen Kotzkübel, vollgerotzte Taschentücher oder kalte Wärmflaschen nach ihm, um diese Aussage zu unterstreichen. Dann kann das Männchen*, in seiner Rolle bestärkt, auch wieder mütterlichen Tätigkeiten, wie der Nahrungsbeschaffung, nachgehen.

Liebe Männer*: wenn Ihr Euch durch die Krankheit Eurer Freundin in eine weibliche*, um nicht zu sagen mütterliche, Rolle gedrängt fühlt und Euch nicht in der Lage seht, den aufmerksamen Krankenpfleger zu spielen, dann versucht doch, das ganze als sexuelles Rollenspiel zu sehen. Klassische Pornohandlung: die Frau* liegt im Krankenhaus, der attraktive Arzt macht sie gesund und zum Dank, bläst sie ihm einen. Ist doch ganz einfach, oder!? Und sooo männlich*!!

2 thoughts on “Überlebensstrategien

  1. Anonym

    Na, das seh ich ja nicht ganz so. Du solltest Dich vielleicht mal über dieses Phänomen mit Rudi Zimmermann austauschen. Vielleicht wäre das erhellend.
    Sex im leicht fiebrigen Zustand ist doch genial, gilt natürlich für andere „Krankheiten“ nicht gleichermaßen.
    Gruß aus Wilm

  2. Anonym

    Sehr schön, dass Du das layout erhellt hast!!!!

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