Terminplanung

Wie ich feststellen muss, wird es im Laufe des Lebens zunehmend schwieriger sich zu verabreden. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das erst sein wird, wenn meine größte Verpflichtung ein schreiendes und scheißendes Lebewesen ist, das 24/7 meine volle Aufmerksamkeit einfordert.
 
Als ich 16 war, dachte ich wirklich manchmal, ich sei total im Stress. Ich gehörte zu der sowieso schon stark benachteiligten Gruppe von Streber_innen, die auf Grund ihrer gänzlich sinnlosen Ambitionen täglich Hausaufgaben machten und stundenweise Zeit verschwendeten. Natürlich war es da nicht einfach, Tanzstunde, die Mathenachhilfe für die Nachbarstochter, Körperpflege (Make-Up, Epilieren, Nägel lackieren, Haare färben…) und diverse Parties so zu organisieren, dass zwischendurch auch noch Zeit blieb, mehrere Stunden mit meiner besten Freundin zu telefonieren. Das war schon eine stressige Zeit…
 
Nichtsdestotrotz kann ich mich nicht erinnern, jemals wegen einer Verabredung einen Terminkalender gezückt zu haben. Ja, ich hatte einen. Irgendwie kam ich mir immens wichtig vor, wenn ich meine Termine darin eintrug, bei denen es sich jedoch meistens um Hausaufgaben handelte. Zum Organisieren meiner Freizeitaktivitäten brauchte ich ihn aber nicht.
 
Und heute? Heute kann ich nicht mal mehr mit einer Freundin ins Kino gehen, ohne dass wir vorher gemeinsam unsere Terminkalender durchgehen. Meist findet sich erst mit einer Woche Vorlauf ein geeigneter Termin und auch der liegt dann ungünstig zwischen Dienstschluss, Aerobic und Tatort schauen mit ihrem Freund. Ich werde schier wahnsinnig bei dem Versuch, meine Mutter zu besuchen, weil ich dazu mindestens 4 Stunden von anderen Terminen befreien muss.
 
Das wirklich faszinierende aber ist, dass ich mindestens 12 Stunden die Woche – eigentlich sicher mehr – tatenlos in meinem Zimmer sitze, den Bildschirmschoner meines neuen PCs anstarre und mir überlege, wen ich jetzt auf Skype anquatschen kann, damit nicht meine volle Single-Einsamkeit ungebremst über mich hinein bricht.
 
Jetzt stellt euch einmal vor, ich würde versuchen, mich auf ein Date zu verabreden. Das würde ich ja in meinem Terminchaos gar nicht mehr unterbringen können. Vielleicht irgendwo zwischen Nebenjob, Tanzkurs und Besuch bei Mutti. „Sorry, ich muss los. Meine Mama wartet.“ Kommt sicher großartig. (in der Romantic Comedy wär das natürlich kein Problem, nur anbei)
Vielleicht ist das ja der Grund für mein Single-Dasein!? Keine Zeit für Dates?
Aber so schlau wie ich bin, hab ich natürlich schon eine Lösung. Ich geh zum Speed-Dating. Da lerne ich effizienter Weise innerhalb von 2 Stunden 10 Männer kennen und hab dann den Rest des Abends Zeit meinen Bildschirmschoner anzustarren.
 
Klasse! 🙂

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