Sophie sucht den Supermacho

„Wo sind all die Männer* hin, wo sind sie geblieben…“ Gabs da nicht mal so ein Lied? Das fing mit Blumen an und endete mit der Abwesenheit von Männern*. Allerdings, wenn ich mich recht entsinne, war damit gemeint, dass die Männer* alle im Krieg sind. Heute zieht ja kaum noch ein deutscher Mann* in den Krieg. Und ich bin viel zu sehr Pazifistin, um das schlecht zu finden.

Auf der anderen Seite frage ich mich doch, wo denn die ganzen starken Männer* hin sind. Ich wollte eigentlich immer einen echten Kerl an meiner Seite. Mindestens 1,90m groß, breite Schultern, starker Bartwuchs, Brusthaare, die Austin Powers blass aussehen lassen. Große Hände, in denen alles klein und zierlich aussieht – sogar ich. Jemand der stark genug ist, selbst mich auf Händen zu tragen, der sich von nichts einschüchtern lässt, nicht von großen und kleinen Tieren, nicht von bösartigen Familienmitgliedern und auch nicht von Infektionskrankheiten. Ein Fels in der Brandung. Ein Mann*, dessen größter Wunsch es ist, mir alle Wünsche zu erfüllen. Ein Mann*, der in seinem Beruf erfolgreich ist und trotzdem noch Zeit für die Familie hat. Ein Mann*, der mir ein Haus baut und ein Kind macht – und dabei bin ich sogar so großzügig und überlasse ihm die Reihenfolge. Ein Mann*, der sagt, wo es lang geht und ich dackel hinterher. Ein Mann*, dessen Kinder ich hauptberuflich betreue und dem ich abends ein Wildschwein serviere, das er dankbar mit seinen großen Händen verschlingt.

Aber solche Männer* gibt es ja gar nicht mehr. Der Mann* von heute kommt auf so merkwürdige Ideen wie „Elternzeit“, lässt sich monatelang beurlauben, um mit seinem Nachwuchs zu spielen, während frau arbeiten geht. Der Mann* von heute macht Zivildienst, Yoga und ernährt sich aryuvedisch. Der Mann* von heute zieht die Familie dem Erfolg im Beruf vor. Der Mann* von heute studiert sein halbes Leben und sitzt das andere halbe Leben auf der Couch und schaut die Simpsons. Der Mann* von heute baut keine Häuser mehr, sondern zieht bei seinen Eltern ins Dachgeschoss. Der Mann von heute will, dass die Frau* ihm die Wünsche von den Augen abliest, genug Geld ranschafft, um ihm die Play Station 3 zu finanzieren, ihm Essen kocht, Kinder wirft und ihm im Falle eines Schnupfens 24/7 die Hand hält.

Und wenn sich der Mann* von heute mal richtig ins Zeug legt, dann gibt’s vielleicht mal ne Schachtel Pralinen (von Aldi) für die Angebetete.

„Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann*!“

One thought on “Sophie sucht den Supermacho

  1. Kai

    Ach ja, die Zeiten haben sich offensichtlich geändert, und manche Individuen, die sich dem neuen Trend nicht anpassen können oder wollen, sind wohl scheinbar dem Untergang geweiht. Nennt man das dann natürliche Auslese?

    Ich stelle jedoch nun verwundert fest, dass ich mit meinem Problem nicht allein dazustehen scheine. Bislang dachte ich, mein Scheitern auf der Suche nach einer adäquaten Beziehungspartnerin würde an meiner testosteronverseuchten Männlichkeit liegen. Und was habe ich nicht schon alles versucht, um ein wenig mehr Weichei zu werden…!
    Allein – es mag mir nicht gelingen.

    Sicher, ich bin mit meinen 1,77 Meter weit von dem Gardemaß von 1,90 Meter entfernt. Starken Bartwuchs und Brusthaare weise ich aber dennoch auf, was ich schon oftmals als Fluch aufgefasst habe. Einschüchtern lasse ich mich auch nicht, von nichts und niemandem, und als Beschützer tauge ich mit meiner langjährigen Kampfkunsterfahrung obendrein auch noch. Der berufliche Erfolg wird sich einstellen, da bin ich optimistisch, denn meine bisherigen Studienleistungen lagen allesamt weit über dem Durchschnitt, und die Magisterarbeit, an der ich derzeit schreibe, soll das alles noch einmal in den Schatten stellen.
    Ein Haus bauen möchte ich, Kinder gehören definitiv zu meiner Zukunftsplanung, und Bäume habe ich schon mehrere in meinem Leben gepflanzt…
    Was mir zu meinem Glück noch fehlt, ist eine Frau an meiner Seite, die in guten wie in schlechten Tagen zu mir hält, der ich die starke Schulter zum Anlehnen bieten kann und bei der ich im Gegenzug von den Stürmen des Lebens einmal ausruhen kann.

    Ich dachte immer, eine solche Frau gibt es nicht mehr. Nun, nachdem ich diesen Post gelesen habe, bin ich eines besseren belehrt.
    Was bleibt mir zu sagen?
    Sophie, wir haben so viele Gemeinsamkeiten (nicht nur den gleichen Geburtstag) – sollten wir es nicht doch einmal miteinander versuchen?!

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