Never fuck in factory

Mir fällt beim Schreiben meines Blogs immer unangenehm auf, wie viel ich eigentlich fernsehe. Ich könnte mich jetzt damit verteidigen, dass ich im Moment auf Grund akuter Rückenbeschwerden einfach bewegungseingeschränkt bin, aber das erklärt ja nur einen Bruchteil der TV-gestützten Blogeinträge auf dieser Seite.

Ja, ich habe es schon wieder getan. Aber zu meiner Verteidigung – jetzt aber wirklich – diesmal war es keine deutsche Vorabend-Seifenoper, sondern ein amerikanisches Spätabend-Ärzt_innen-Melodram: Privat Practice. Der Name an sich klingt wie eine Satire, in der sich Menschen ohne Arme kurz vor dem Tod durch Verblutung vor eine Privatpraxis im vierten Stock einer Altbauvilla werfen und durch die wohlgenährte Sprechstundenhilfe höflich auf ihren Termin in 2 Monaten vertröstet werden. Aber darum soll es hier jetzt nicht gehen.
 
In der heutigen Folge jedenfalls hat die eine Ärztin mit dem einen Arzt angebändelt… eigentlich passiert das ja in jeder Folge. Das passiert auch in jeder Folge von Grey’s Anatomy. Die Krankenhausserien, in denen es wirklich um Krankheiten und ihre Heilung ging haben ausgesorgt… na, vielleicht mal abgesehen von Dr. House. Da liegt der Schwerpunkt aber wohl eher auf der „Sei ein Arsch“-Philosophie, die meiner Meinung nach sowieso schon zu viele Männer* verfolgen, leider ohne dabei auch nur annähernd so genial zu sein wie ihr Vorbild.
 
Aber zurück zu den turtelnden Ärzt_innen. Ich finde, es ist ja doch ein Unterschied, ob sich zwei Ärzt_innen in einem Krankenhaus zum Poppen im Bereitschaftsraum treffen, oder ob sie sich verliebt in einer Privatpraxis umgarnen. Denn die große Frage ist doch: Was passiert, wenn die mit der Vögelei fertig sind? Die wollen doch wohl nicht im Ernst mit Ex-Aggressionen weiterhin zusammenarbeiten!? Das mag ja im Seattle Grace funktionieren, in dem tausende Ärzt_innen und noch mehr Assistenzärzt_innen rumrennen. Aber in der kleinen süßen Praxis in Kalifornien kann eins sich nicht aus dem Weg gehen!
 
Im Film mag sowas ja vielleicht noch funktionieren. In eben dieser Serie wird die Privatklinik ja auch geleitet von einem ehemaligen Ehepaar, das sich natürlich auch total gut versteht. Meine persönliche Lebenserfahrung ist da ja ganz anders.
 
Schon in jungen Jahren habe ich den Fehler gemacht, mir meine Sexual- und Beziehungspartner innerhalb des eigenen Freundeskreises zu suchen. Die Katastrophe ist natürlich schon mit dem ersten Kuss vorprogrammiert. Nach Ersterben dieser jungen Liebe wird die Clique geflissentlich geteilt. Der Bekanntenkreis in seiner alten Form existiert nicht mehr und unterm Strich habe ich sogar einige Freund_innenschaften eingebüßt.
 
Und das war noch ein positives Ende. Ich kann von anderen Geschichten berichten, die weit trauriger enden. An deren Beziehungsende kein einziger von einst zahlreichen Freund_innen übrig bleibt. Und dazu muss eins seine_n Partner_in nicht mal nach Strich und Faden betrogen habe, kann ich aus Erfahrung sagen.
 
Mensch soll aus seinen Fehlern lernen. Aber was nun? Darf ich jetzt mit niemandem mehr ins Bett gehen, mit dem mich gemeinsame Freunde verbinden? Darf ich keine Beziehungen mehr im Bekanntenkreis anfangen? Ich sehe das ja auf der Arbeit ein, da muss mensch professionell sein. Ich sehe das in einer WG ein, da muss mensch an die Wohnharmonie denken. Ich sehe das in einer Familie ein,… auch mal ganz abgesehen von bestimmten Inzestschranken. Aber wie weit soll das gehen? Wenn ich das genau überlege, dürfte ich mich ja überhaupt nicht mehr ernsthaft binden, aus Angst, damit IRGENDWELCHE anderen zwischenmenschlichen Beziehungen zu gefährden!
 
Sollte das wirklich so sein?
 
Ich sollte mich einmauern in einem Turm ohne Tür, so wie Rapunzel. Bis irgendwann ein armer, alter, leicht verblödeter Maulwurf vorbeikommt und mich fragt: „Jemand tu hage?“ Und wenn ich den heirate, halten mich eh alle für bescheuert und ich kann mit meinem tattrigen Freund happy ever after leben und im Apfelbaum knutschen. Al final.
 
(Anschauungsmaterial unter: http://de.youtube.com/watch?v=oPyMvvFEa1w)

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