Mach mir die Pamela

Männer* reden wenig. Das sagt mensch im Allgemeinen so. Das sagt uns auch Mario Barth gerade in seiner aktuellen Mediamarkt-Werbung (Wie erklärt ein Mann*, dass er einen DVD-Spieler kaufen möchte? Er zeigt drauf und sagt „Den!“).
Wenn Männer* Probleme haben, gehen sie mit ihren Kumpels zwei bis zehn Biere trinken, rauchen eine Schachtel Kippen, baggern die Barfrau* an und kotzen auf dem Nachhauseweg auf den Bürgersteig.

Ich habe mir mal sagen lassen, dass dies ein reines Vorurteil sei. Männer* reden sehr wohl über ihre Probleme, nur halt nicht mit Männern*, sondern mit Frauen*: mit ihren sogenannten platonischen Freundinnen, die sie aber natürlich alle insgeheim flachlegen wollen, denn wir wissen ja: der Mann* ist ein Tier und genauso wollen wir ihn haben!

Frauen* reden immer. Auch das sagt mensch ihnen im Allgemeinen nach. Dazu muss ich nicht mal Mario Barth zitieren, schließlich bin ich selber eine Frau* und kann da aus Erfahrung sprechen. Ich kann ja nicht mal meinen Mund halten, wenn ich alleine bin und verfasse stattdessen Blogeinträge über triviale Geschlechterthemen.

Wenn Frauen* Probleme haben, reden sie mit ihrer besten Freundin darüber. Aber nicht unbedingt mit ihrem besten Freund, denn der will sie ja nur flachlegen und das weiß frau ja, denn der Mann* ist ein Tier und genauso wollen wir ihn haben. Aber manchmal möchte frau eben auch noch etwas anderes sein als ein Sexobjekt, insbesondere wenn sie gerade tief in einer Beziehungskrise steckt.
Was aber macht die beste Freundin zu einer besseren Gesprächspartnerin als den besten Freund? Woher weiß frau, dass es dem Mann* nicht ums Trösten, sondern ums Bewerben seiner eigenen Person geht?

Ganz einfach: der beste Freund gibt sich zu viel Mühe, denn er will die Frau* ja flachlegen, denn der Mann ist ein Tier und genauso wollen wir ihn haben. Er denkt, wenn er sich zu negativ über seinen (geheimen) Rivalen äußert, wird sein weibliches Gegenüber seine wahre Motivation erkennen, ihn mit diesem spezifisch-weiblichen Enttäuschungsblick ansehen, der in ihm ein lebenslanges schlechtes Gewissen hinterlassen wird und wortlos gehen. Und wenn Frauen* IRGENDETWAS wortlos tun, dann ist die Kacke am Dampfen! Jedenfalls versucht der beste Freund deshalb ganz analytisch und diplomatisch auf die Beziehungskrise seiner besten Freundin einzugehen, die er ja eigentlich flachlegen will, denn der Mann* ist ein Tier und genauso wollen wir ihn haben. Er analysiert das Verhalten, die bindungstheoretische Ausgangsposition und die Persönlichkeitsstruktur des Lebensabschnittsgefährten und kommt zu einem diplomatischen und differenzierten Urteil.

Derweil: Frau* sitzt da und schluchzt und heult Rotz und Wasser und bekommt kein Wort mit. Zwischendurch bleiben Fetzen wie „zu wenig von der Mutter geliebt“ und „er meint es sicher nur gut“ und „Männer* sind manchmal schwierig“ bei ihr hängen. Sie versteht nichts, schluchzt und heult weiter und fragt sich insgeheim, was denn das ganze Gelaber eigentlich soll. Die Episode endet damit, dass es dem platonischen Freund nicht gelingt, seine platonische Freundin flachzulegen, diese stattdessen ihre beste Freundin anruft, um endlich den gewünschten Beistand zu erlangen.

Was macht denn die beste Freundin besser? Die beste Freundin kommt rein, hat einen Sixpack Bier, eine Schachtel Kippen und eine Familienpackung Kinderschokolade dabei, außerdem eine große Box mit Kleenex. Letztere wird vor der Trauernden abgesetzt, es wird ihr ein Bier geöffnet und eine Zigarette zwischen die Lippen geschoben. Die beste Freundin fragt anstandshalber, was vorgefallen ist, lässt ihr Gegenüber aber nicht ausreden, sondern bevor sie noch wirklich weiß, was der Mann* verbrochen hat, sagt sie: „Scheißkerl! Der hat Dich gar nicht verdient!“ Das Häufchen Elend hört langsam auf zu schluchzen und nickt zustimmend. „Du hast was viel besseres verdient!“ setzt die beste Freundin noch hinzu. Jetzt lacht die ehemals Schluchzende schon ein bisschen.

Nachdem sie den Sixpack Bier getrunken, die Schachtel Kippen geraucht und die Schokolade gegessen haben, gehen die beiden Mädels* noch in den nächsten Club, flirten mit dem Türsteher und kotzen auf dem Nachhauseweg synchron auf den Bürgersteig.

Was lernen wir, liebe Männer*, aus dieser Geschichte? Der Versuch, die beste Freundin zu ersetzen, endet nur in einer peinlichen Enthüllung Eurer wahren Beweggründe. Frauen* sind gar nicht so abstrus andere Wesen, wie Ihr es immer glaubt! Ihr könnt mit uns umgehen, wie mit ganz normalen Menschen. Eure Versuche, rhetorische Meisterwerke zu vollbringen und damit die Qualitäten einer besten Freundin zu übernehmen sind zur Entlarvung Eurer wahren, triebgesteuerten Beweggründe verdammt.

Aber keine Sorge, denn wir wissen alle: Der Mann* ist ein Tier. Und genauso wollen wir ihn haben.

2 thoughts on “Mach mir die Pamela

  1. Anonym

    Gut auf den Punkt gebracht. Begeisterung. Bitte veröffentlichen!

  2. Anonym

    Frauen, die Sixpackweise Bier trinken und mit ihren Freundinnen gemeinsam auf Bürgersteige kotzen verdienen nichts anderes als sitzen gelassen zu werden. Ekelhaft!

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