Im Dunkeln ist gut Munkeln

Das Laternenfischmännchen* hat ein Problem. Da wo es lebt, nämlich in der Tiefsee, ist es sehr dunkel. Deshalb hat das Laternenfischmännchen* große Schwierigkeiten, ein Laternenfischweibchen* zu finden. Das ist in etwa so, als würde sich der deutsche männliche* Single grundsätzlich nur in Dunkelrestaurants auf die Pirsch begeben, die die Größe von Messehallen besitzen, jedoch nur mit etwa vier Weibchen* bestückt sind. Was tut das Laternenfischmännchen* also? Sobald es ein Weibchen* gefunden hat, nistet es sich in ihm ein. Nein, dies ist keine symbiotische Beziehung, sondern eine parasitäre. Das Männchen* bleibt für ewig mit dem Weibchen* verschmolzen und funktioniert als körpereigener Samenspender. Gut, in seiner Bewegungsfreiheit ist es etwas eingeschränkt, aber dafür ist das Überleben seines Genpools gesichert.
 
Es gibt auch im Tierreich der Menschen Laternenfischmännchen*. Laternenfischmännchen* glauben, dass sie große Schwierigkeiten haben, ein Weibchen* zu finden. Von den richtigen Problemen ihrer Vorbilder ahnen sie nichts. Die Hoffnungslosigkeit bricht über sie herein, nicht weil es keine Frauen* gäbe oder diese auf Grund der Witterungsbedingungen schwer auszumachen wären, sondern weil sie schlicht und einfach zu schüchtern sind, auf diese zuzuschwimmen. Führt ein glücklicher Zufall dazu, dass sich ein Weibchen* eigenmotiviert an sie annähert, packen sie zu. Sie lassen nicht mehr los. Sie nisten sich in das Leben des Weibchens* ein. Von symbiotischen Beziehungsformen wollen sie nichts wissen, denn sie gefallen sich in der Rolle des Parasiten. Entscheidungen treffen ist ja auch viel zu anstrengend. Viel angenehmer ist es, dem Weibchen* die Organisation des Lebens zu überlassen. Ob Einkaufsliste, Urlaubsplanung oder Zukunftsperspektiven – das Laternenfischmännchen* ist zum Selbstdenken viel zu faul. Natürlich hat alles seinen Preis: Saufgelage mit Kumpels oder berufliche Selbstverwirklichung sind im Leben eines Beziehungsparasiten nicht mehr länger möglich. Aber da das Laternenfischmännchen* eigentlich auch für diese Dinge viel zu wenig Eigeninitiative besitzt, ist es froh, eine Ausrede gefunden zu haben und lümmelt sich noch tiefer in die Schuppen seines Weibchens*.
 
Was aber nun hat das Weibchen* davon? Es wäre ein Fehler, die Schuld dieser ungleichen Beziehung nur beim Laternenfischmännchen* zu suchen. Das Weibchen* fühlt sich mächtig, es hat die Hosen an und darf bestimmen, wo’s in der Beziehung und im Leben allgemein lang geht. Kurz gesagt: Das Weibchen* fühlt sich männlich*. Herrlich, denkt es, die Emanzipation hat Früchte getragen! Mit erhobenem Haupt schwimmt es an all den armen Weibchen* vorbei, die noch in antiquierten gleichberechtigten Beziehungen leben. Das ist ja soo 90er!
 
Aber halt! So idyllisch ist das Leben mit einem Beziehungsparasiten gar nicht. Was das Weibchen* in seiner Emanzipationseuphorie übersieht ist Folgendes: Es muss doppelt so viel Kraft aufbringen, weil das Männchen* nicht alleine schwimmt, sondern stets mitgezogen wird! Und: Frau kann sich schwerlich von jemanden in den Arm nehmen lassen, der so klein ist – oder sich so klein macht -, dass er sich lebenslang hinter der eigenen Rückenflosse verstecken kann. Und so bleibt das Laternenfischweibchen* zwar mächtig, aber am Ende dann doch irgendwie einsam. Und als es mit den ersten Tausendlingen schwanger ist, muss es erkennen, dass ihr Laternenfischmännchen* keinen Vater, sondern das Tausend-und-erste Kind darstellt.
 
Es ist also Achtung geboten liebe pseudo-emanzipatorischen Weibchen*. Aber ich sage Euch, woran man das Laternenfischmännchen* erkennt: Sein Lieblingssatz ist „Wie Du willst“, seine Grundhaltung ist Meinungslosigkeit. Aber am eindeutigsten erkennt man ein Laternenfischmännchen* daran, dass es – statt im Scheinwerferlicht mit den Fäusten auf die entblößte Brust zu trommeln und seine Männlichkeit* zu demonstrieren – in Eure Achseln kriecht, selig lächelt und spricht: „Mach doch schon mal das Licht aus.“

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