Hor(r)mone

Man sagt dem Mann* ja im Allgemeinen nach, sein Gehirn passe in seine Hoden. Nicht sehr nett eigentlich, aber empirisch gesehen doch naheliegend. Was wir, wenn wir das behaupten, ja aber eigentlich sagen wollen, ist, dass er auf rationale Logik verzichtet und sich stattdessen gerne durch hormonelle Triebe leiten lässt. Wie auf diese Weise zahlreiche Männer* hochkomplizierte Studiengänge abschließen ist mir zwar ein Rätsel, aber das soll jetzt hier nicht das Thema sein.
 
Ab und an kommt es dazu, dass ein Angehöriger der männlichen* Spezies sich über den eben beschriebenen Umstand bei mir ausheult. „Ich würde ja so gern lernen, aber ich kann nur ans Vögeln denken.“ (kein Zitat, sondern nur inhaltlich wiedergegeben und – zugegeben – stark vereinfacht) Dabei schaut das Individuum wie ein nasser Hund und will getröstet werden, am liebsten natürlich durch eine sexuelle Begegnung. Bekommt es aber nicht, von mir jedenfalls nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass ich mich in einer funktionierenden monogamen Beziehung befinde.
 
Es gibt noch einen anderen Grund.
 
Ich bin es ja soo leid, mir das Geheule der Männer* über ihre Hilflosigkeit gegenüber den eigenen Trieben anzuhören. So schwer kann es doch nicht sein, mit ein bis zwei Mal Sex pro Woche (oder als Single auch mal länger) auszukommen, ohne quasi zu implodieren oder psychischen Qualen ausgeliefert zu sein. Was im Allgemeinen total vernachlässigt und nicht gesehen wird, ist nämlich, dass Frauen* noch viel stärkeren hormonellen Problemen ausgesetzt sind.
 
Ich bin gerade in einem Alter, in dem es mich besonders hart trifft: Das Baby-Mach-Hormon. Um mich herum scheint es nur noch Kinder zu geben. Die einen sind schwanger, die anderen haben gerade geworfen und der Rest versucht, „gemeinsam schwanger zu werden“ und erzählt von nix anderem mehr. Bei Facebook stellen meine Freundinnen keine Fotos mehr vom letzten Saufgelage ein, sondern präsentieren stolz ihren Babybauch, dem ich vor lauter Frust gerne meinen Urlaubsbauch entgegensetzen würde, aber ich befürchte, das wiederum will keiner sehen. Meine biologische Uhr schlägt laut wie eine Domglocke und jeden Abend wenn ich meine Pille nehme zittern meine Hände dabei.
 
Gleichzeitig überlege ich mir, wie schrecklich so ein Kind doch wäre. Nix könnte ich mehr machen. Stattdessen würde ich zunehmen, Hängebrüste bekommen und mich quasi in eine Kuh verwandeln. Warum sollte ich sowas wollen?
 
Dazu kommt, dass ich ein wandelnder Beziehungskiller bin. Kein Tag vergeht, an dem das Thema „Kind“ oder „Schwangerschaft“ nicht in irgendeinem Zusammenhang auf den Tisch kommt. Finde ich kein passendes Gesprächsthema, werfe ich einfach spontan einen dieser Begriffe ein und begründe das mit einem selektiven Tourette-Syndrom. „ehhhh… Geburt!“ „ahhh…. Windeln wechseln“
 
Jetzt könnte natürlich ein Mitleid haschender Mann* sagen, dass das doch nichts gegen die lebenslangen Qualen eines untervögelten Männchens* wäre. Doch im Gegenteil: Während der Mann* während seiner Pubertät lernen kann (es meist nicht tut, aber doch theoretisch könnte), sich langsam an seine hormonelle Steuerung und deren Nachteile zu gewöhnen und mit ihr umzugehen, erwischt es uns Frauen* mit Mitte/Ende Zwanzig völlig unvorbereitet und eiskalt. Niemand hilft uns, keiner hat Mitleid, denn es ist kein Mann* mehr da, der Mitleid haben könnte – bei Männern* wird Mitte/Ende Zwanzig nämlich durch das Wort „Baby“ ein ganz anderer Instinkt ausgelöst: der Fluchtinstinkt. Wir leiden also nicht nur darunter, dass in uns ein ewiger Kampf zwischen Engelchen (Babys sind ja sooo süß) und Teufelchen (Babys stinken, schreien und machen Dich für immer hässlich) tobt, wir sind auch noch zur Einsamkeit verdammt, weil wir alle Männer* erfolgreich vergraulen.
 
In diesem Sinne: Mein lieber Schatz, es tut mir leid, bitte halt durch, in spätestens 20 Jahren ist alles vorbei!

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