Die feministische Pubertät

Sexismus ist ein ziemlich großes Wort. Damit will ich sagen, dass der Begriff Sexismus eine ganze Bandbreite von Situationen abdeckt, die uns als solche nicht immer bewusst ist. Bis vor Kurzem hätte ich mich wohl weder als Feministin noch als Opfer von Sexismus bezeichnet. Ich doch nicht. Ich bin doch eine selbstbewusste, intelligente Frau*. Mir kann Mann* doch nichts anhaben. Die #Aufschrei Aktion auf Twitter jedoch führte mir vor Augen, wie oft ich in meinem Leben eigentlich Opfer von Sexismus gewesen bin, ohne dies wahrzunehmen. Vieles nehmen wir als Frauen* einfach als gegeben hin. Wir kennen es ja nicht anders. Etwa so wie Kinder eine gewisse Zeit ihres Lebens das Verhalten der Eltern unreflektiert akzeptieren bis sie in der Pubertät plötzlich beginnen, die Umstände in Frage zu stellen. Damit möchte ich natürlich Frauen* nicht mit Kindern gleichsetzen, sondern viel mehr illustrieren, dass es ein großer Schritt ist, Strukturen in Frage zu stellen, die man sein Lebtag lang akzeptiert und in vielen Fällen nicht einmal als solche bemerkt hat. Es brauchte seine Zeit bis ich realisiert habe, das ich bestimmte Dinge nicht hinnehmen muss, dass ich sie kritisieren darf. Warum das so lange dauert? Weil es in der Regel ziemlich schwierig ist, mit den beteiligten, meist männlichen* Personen zu diskutieren. Statt sich auf ein Gespräch einzulassen, wird Frau* in derlei Situationen dann lieber als „hysterisch“ abgestempelt.

Je länger ich über das Thema nachdenke, umso wütender werde ich. Darum möchte ich einmal drei Beispiel von ganz alltäglichem Sexismus zum Besten geben, die mir alle genauso passiert sind. Das ist in der Tat sehr persönlich. Es sind jedoch diese persönlichen Anekdoten, die mich in meiner „feministischen Pubertät“ am stärksten beeinflusst haben. Und vielleicht verhilft ja dieser Text jemandem zu dem Aha-Erlebnis, das mir beim Lesen der Texte auf alltagssexismus.de zuteil wurde.
 

Alltagssexismus in der Familie

Mein Bruder besitzt ein elektrisches Fahrrad, denn in der Gegend, in der er wohnt, ist es sehr hügelig, der Weg zur Schule ist weit und öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Als meine Schwester und ich meinen Vater und meinen Bruder für längere Zeit besuchten, geschah es eines Tages, dass ich dieses Fahrrad benutzen wollte. Es muss eingehend noch erklärt werden, dass meine Geschwister deutlich jünger sind als ich – mitten in der ganz normalen Pubertät. Ich fragte also meinen Bruder, ob es in Ordnung sei, wenn ich mit dem Elektrorad zur nächsten Drogerie führe. Meine Bruder saß, wie so oft, vor seiner Playstation, und ohne seinen Blick vom Bildschirm abzuwenden, stimmte er freundlich zu. Natürlich könne ich mir das Rad leihen. Ich fragte ihn, ob er fünf Minuten Zeit hätte, mir das Gerät zu erklären. Das war dann jedoch etwas zu viel des Guten, denn das Spiel hatte in diesem Moment oberste Priorität. Meine kleine Schwester, stets sehr hilfsbereit („wie Mädchen nun mal so sind“) bot an, mir an Stelle unseres Bruders das Fahrrad zu erklären. Sie habe es zwar auch erst einmal benutzt und sei nur vor dem Haus auf und ab gefahren, aber so schwer könne es ja nicht sein. Sie zeigte mir also den Knopf, den ich betätigen musste, um bei starker Steigung den Motor zu aktivieren und ich gurkte los. So ein Elektrorad ist ja ganz schön schwer. Da muss mensch schon ordentlich in die Pedale steigen. Aber auf dem Hinweg ging es glücklicher Weise bergab, also schonte ich die Batterie. Als ich nach meinem Einkauf jedoch das Rad bestieg und bergauf fahren wollte, musste ich zu meinem großen Schrecken feststellen, dass der von meiner Schwester beschriebene Knopf nicht funktionierte. Ich drückte und drückte, doch nichts geschah. Im Schweiße meines Angesichts strampelte ich nach Hause und schob das letzte Stück.
 
Als ich am Abend meinem Vater von diesem furchtbaren Ausflug berichtete, lachte dieser nur. „Frauen und Technik!“ Ich versuchte ihm zu erklären, dass mir der falsche Knopf gezeigt wurde, doch das machte es natürlich nicht besser, denn meine Schwester hatte ihn mir ja gezeigt. „Frauen und Technik!“ Der Witz des Abends. Mein Vater und mein Bruder amüsierten sich köstlich. Statt also die mangelnde Sozialkompetenz meines Bruders zu bemängeln und ihn darauf hinzuweisen, dass Mann* in solchen Situationen durchaus das Spiel unterbrechen könne, um seiner Schwester das Fahrrad zu erklären, wurden meine Schwester und ich schlichtweg als dämlich bezeichnet. Ich machte meinem Ärger darüber Luft. Und da war es wieder. „Jetzt übertreibst Du aber“, sagte mein Bruder. Wortlose Zustimmung durch meinen Vater.
 

Alltagssexismus in der Beziehung

Ich habe mal in Spanien gelebt. In Spanien gelten freilich vollkommen andere Regeln was das Miteinander von Männern* und Frauen* angeht. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Ich hatte in meinem Auslandssemester nämlich die glorreiche Idee, meinen deutschen Freund mitzunehmen. Diesem deutschen Freund war es leider nicht möglich, die örtlichen Gepflogenheiten von meinem eigenen Verhalten getrennt zu betrachten. Zumindest in der Gegend, in der ich mich aufhielt – und auch in der Gruppe von Austauschstudent_innen, mit der ich mich häufig traf – war es absolut nichts Absonderliches, dass Frau* beim Durchschreiten einer Bar plötzlich eine Hand auf ihrem Hintern spürte. Es musste stets damit gerechnet werden, dass junge Männer* das was ich als meine körperliche Grenze erachte wie selbstverständlich durchbrachen. Wann immer etwas Derartiges passierte, lag das in den Augen meines damaligen deutschen Freundes jedoch niemals an einer kulturell akzeptierten Übergriffigkeit, am Alkoholpegel der Männer oder schlichtweg an ihrer Dreistigkeit, sondern grundsätzlich an mir. „Du prostituierst Dich!“ wurde mir vorgeworfen.
 
Es mag schon sein, dass meine Art, offen auf Menschen zuzugehen und den einen oder anderen Flirt zu riskieren für die entsprechenden Männer gleichbedeutend mit der Aufforderung waren, mich an Ort und Stelle zu betatschen. Doch ihre – von mir aus kulturell bedingte – Missinterpretation meines Verhaltens berechtigte sie in keinem Fall dazu, meinen Hintern anzufassen. Und noch weniger berechtigte es meinen damaligen Freund, mich derart entwürdigend – natürlich für die umstehenden Menschen hörbar (wenn auch auf Grund der Sprache nicht zwingend auch verständlich) – zu beschimpfen. Das wusste ich damals freilich noch nicht. Ich erinnere mich an eine Szene vor einer Disco, wo ich in meiner Fassungslosigkeit über das von mir empfundene Unrecht meinen Freund verbal attackierte. Daraufhin hob er mich hoch, legte mich über seine Schulter und trug mich davon. Hysterische Frauen sollte Mann* eben aus dem Weg räumen.
 

Alltagsexismus unter Freund_innen

In jüngeren Jahren lernte ich einst auf einer Party zwei junge sympathische Männer kennen, mit denen ich selbige Party im Laufe des Abends für einige Zeit verließ. Natürlich blieb diese Zusammenkunft von meinem damaligen Freund_innen nicht vollkommen unbemerkt. Es wurde viel spekuliert was wohl in jener Nacht geschehen sei, nachdem ich mit meinen beiden Bekanntschaften die Party verlassen hatte. Und Details werde ich auch jetzt nicht verraten, denn sie tun überhaupt nichts zur Sache. Viel interessanter ist nämlich, was in den Köpfen der Jungs* geschah.
 
Dies wurde mir Wochen später eindrucksvoll illustriert, als wir im Zuge einer weiteren Party wieder zueinander fanden. Mit im Schlepptau war auch ein Typ, den ich noch nicht kannte. Im späteren Verlauf des Abends meinte jener Typ, mich begrapschen zu müssen. Ich machte deutlich, dass dies nicht in meinem Sinne sei. Darüber war er sehr erstaunt. „Hab Dich doch nicht so. Ich hab doch schon gehört, Du bist ne Schlampe!“
 
Aha! Nett! Schon damals war mir klar, dass der Skandal nicht nur darin bestand, dass meine „Freunde“ in meiner Abwesenheit derart über mich gesprochen hatten. Es war für mich ebenso schockierend, dass ich als Schlampe bezeichnet wurde, während die Jungs, mit denen ich unterwegs gewesen war, sich natürlich mit keinerlei negativen Reaktionen auseinandersetzen musste. Unnötig auch zu betonen, wie die Reaktion gewesen wäre, wenn sich ein Mann mit zwei Frauen von einer Party entfernt hätte. Ich war an besagtem Abend, als mir all dies klar wurde, zugebener Maßen etwas angetrunken. In meinem Schmerz über die Situation begann ich zu weinen und zu schimpfen. Ein paar Tage später sprach ich mit einem der Jungs, mit denen ich in der sagenumworbenen Nacht zusammen gewesen war. „Ich hab gehört, Du bist neulich total ausgerastet und hast ne totale Szene gemacht deswegen.“ Und damit war dieses Thema dann zur Zufriedenheit aller (männlichen*) Beteiligten dann auch vom Tisch.
 

Die Frage der Schuld

Ich glaube, dass jede Frau* mindestens eine dieser drei Situationen in ähnlicher Form aus ihrem eigenen Leben kennt. Alltagssexismus am Arbeitsplatz habe ich hier übrigens bewusst ausgelassen. Nicht, weil ich den nicht kennen würde. Ich zitiere einfach nur den Regisseur, mit dem ich einmal zusammen arbeitete: „Würdest Du bitte beim nächsten Mal ein anderes Shirt anziehen?! Ich kann mich so schlecht konzentrieren!“ Aber ich finde, über Sexismus am Arbeitsplatz ist schon viel geschrieben worden und es ist mir sehr wichtig, dass wir auch andere Situationen erkennen, in denen wir als Frauen* allen Errungenschaften der Emanzipation zum Trotz noch immer ungerecht behandelt werden. Ich glaube, oft ist es weder uns noch den beteiligten Männern* wirklich klar, dass wir hier sexistische Strukturen reproduzieren, von denen wir sonst behaupten, sie überwunden zu haben. Deshalb würde ich auch niemanden dafür verurteilen, sich sexistisch zu verhalten. Wir sind ja alle Kinder desselben Systems. Ich erhebe nur Anklage gegen jene, die sich weigern zuzugeben, dass wir an dieser Stelle noch immer ein Problem haben, das einer Diskussion bedarf!
 

Warum mir das wichtig ist?

Ich hatte mal an meiner Tür ein Schild auf dem Stand: „Ich bin schuld“. Das war irgendwie mal so ein Running Gag in meiner Clique gewesen, vollkommen unabhängig von Sexismus. Eines Tages bat mich eine Therapeutin, dieses Schild von der Tür abzunehmen und bei ihr abzugeben. Ich trug das Schild lange in meiner Handtasche herum, weil ich dazu nicht in der Lage war.
 
Ich glaube, uns wird als Frauen* so oft gesagt, dass wir an etwas Schuld haben, für das wir gar nichts können. Wir werden nicht nur ungerecht behandelt, wir werden auch noch dafür verurteilt, wenn wir uns darüber beschweren. Es wird Zeit, dass wir diese Situationen als solche erkennen und die Schuld einfach ablehnen. Wir sind nicht hysterisch. Wir übertreiben nicht. Wir sind nicht neben der Spur. Wir sind eben manchmal einfach das Opfer von Sexismus. So ist das.
 
Der Prozess der Bewusstwerdung, Abgrenzung und Konstruktion einer neuen feministischen Identität ist durchaus mit der Selbstfindung der Pubertät vergleichbar. Es ist gar nicht so leicht, sich von dominanten Strukturen zu lösen und eine Konträrposition einzunehmen. Es ist schwierig auszuloten, wie viel des eigenen Befindens auf Wut über erfahrenes Unrecht und wie viel auf gesellschaftliche Missstände zurückzuführen ist und wann sich diese Kategorien decken oder unterscheiden. Das ist verwirrend! Daher mag es Außenstehenden manchmal erscheinen, als ob Feminist_innen ein wenig zu stark um sich schlügen – etwa so wie Teenager manchmal wirken, als stünde ihre Reaktion in keinerlei Verhältnis zur realen Situation. Ich glaube, dass dies aber vor allem daran liegt, dass wir in den meisten Kontexten in der Minderheit sind und uns unverstanden, vielleicht auch hilflos fühlen. Wir holen weit aus, um auf uns aufmerksam zu machen.
 
Und noch etwas anderes kommt dazu. Und das hat mit der schon erwähnten Schuldfrage zu tun. Das Ding mit der Schuld ist nämlich folgendes: Sie schützt uns! In dem Moment, in dem ich Schuld ablege, muss ich akzeptieren, dass mir Unrecht widerfahren ist. Und das tut verdammt weh! Auch wenn wir uns wehren und als hysterisch bezeichnet werden, schämen wir uns, fühlen uns schuldig. Damit ist der Status Quo wieder hergestellt, denn das System hat sich selbst reguliert und bestätigt. Das Problem ist nicht Diskriminierung und Ungleichbehandlung, sondern die übertriebene Reaktion der Frau.
 
Wenn wir also wollen, dass sich etwas ändert, glaube ich, dass wir bei uns selbst anfangen müssen. Wir müssen uns den traditionellen Schuldzuweisungen verweigern und uns selbst erlauben, zu wütend sein. Denn es gibt so viel Grund wütend zu sein. Warum sollten wir das nicht artikulieren dürfen? Warum sollten wir nicht aufschreien dürfen? Und ja, vielleicht ist das mit pubertärem Verhalten vergleichbar. Aber nicht wir stecken in der Pubertät, sondern der Feminismus. Geboren wurde er schon lange vor uns, aber nun ist eine Veränderung im Gange. Es geht nicht mehr um Wahlrecht, um Verhütung oder darum unseren Arbeitsvertrag selbst zu unterschreiben. Es geht um tiefliegende, immens subtile Macht- und Denkstrukturen, die beginnen, aufzubrechen. Das kann nicht leise von statten gehen.
 
Es tut sich etwas. Also schreit Frauen, schreit so viel ihr wollt! Es ist noch lange nicht genug!

18 thoughts on “Die feministische Pubertät

  1. Anonym

    Oh Mann, jeder stellt sich mehrmals im Leben dumm an. Wenn dir der falsche Knopf gezeigt wurde, probier halt einfach rum, anstatt das hilflose Mausi zu spielen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Ich bin als Frau eine der wenigen, die als Automechanikerin in einer Männerdomäne arbeitet. Wenn du was leistest, dann wirst du auch anerkannt. Hör auf zu jammern und dir was einzubilden. Und wenn du dich dumm anstellst, dann lach mal über dich selbst. Das hilft!

  2. „Es mag schon sein, dass meine Art, offen auf Menschen zuzugehen und den einen oder anderen Flirt zu riskieren für die entsprechenden Männer gleichbedeutend mit der Aufforderung waren, mich an Ort und Stelle zu betatschen“

    Das habe ich noch nicht ganz verstanden. Du flirtest mit Jungs auf eine Weise, bei der du weist, dass sie in der dortigen Gegend dazu führt, dass sie dich anfassen und wunderst dich, dass das deinem Freund nicht gefällt?

  3. Anonym

    Immer diese Sexisten hier. Ahahaha, was für ein Artikel. Humorlos bist du, zickig noch dazu. Fremde Männer graben dich an, du provozierst das bewusst und dein Freund soll halt einfach zuschauen. Hallo?! Aber nicht die Männer, die dich einfach anfassen sind Sexisten, neeeeiiiiiin, dein böser Freund der es wagt dann auch eine eigene Meinung zu besitzen und sie dir zu sagen, der ist der pöööhse Sexist!

    Lies dir den Stuss den du da schreibst bitte nochmal durch, vielleicht erkennst du dann dein absolut groteskes Weltbild!

  4. Anonym

    Soviel Häme, schade, und auch noch von Frauenseite, das finde ich immer das Traurigste!
    Auch das ist Sexismus: Wenn eine Frau zu einer Frau sagt „oh Mann“!

    Ja, und zur Pubertät gehört leider auch, zu lernen, sich gegenüber andern zu verschliessen und nicht offenherzig alle Gefühle und Gedanken auszubreiten, um weniger verletzt zu werden.

    Die Kommentare zeigen letztlich nur eins: Da hat eine Frau in ein Wespennest gestochen!

  5. Anonym

    Ich kann, als Mann sicher nur bedingt, nachvollziehen was Dir gegen den Strich geht. Was mir aber vollkommen gegen den Strich geht, ist deine Akzeptanz der übergriffigen südländischen Grabscherei als kulturelle Eigenart. Wenn schon Aufschrei dann weltweit. Das macht deinen, ansonsten stimmigen, Kommentar leider unglaubwürdig.

  6. Sonja

    Wie weit der Sexismus im Alltag geht, zeigen bereits einige der Kommentare. Du solltest nicht so „zickig“ sein, Dich nicht „dumm“ anstellen oder gar Deinen damaligen Freund provozieren. Damit wird erst einmal sicher gestellt, dass Du selbst die Schuld an Deinen Erfahrungen trägst. Und das – mit Verlaub – kotzt mich an.

    Ich finde es sehr mutig, dass Du von Deinen Erfahrungen hier berichtest. Denn nur auf diese Weise können wir – wie Du am Ende sehr schön schreibst – diese Strukturen aufbrechen. Und es wird Zeit dafür!

  7. Zu dem Vorwurf, ich würde südländische Grapscherei legitimieren. Ich bin in dieser Hinsicht vorsichtig, weil ich mich in einer Kultur befinde, in der ich nicht aufgewachsen bin. Spanien ist in Thema Emanzipation noch ein paar Schritte hinter und uns es macht keinen Sinn, sich darüber blind zu empören. Das muss man schon im Zusammenhang sehen. Das macht es nicht besser, denn wie ich ja deutlich mache, glaube ich nicht, dass mein freundliches Verhalten und nicht einmal ein neckischer Kommentar es rechtfertigt, mir an den Hintern zu fassen!

  8. Anonym

    Ich erwarte keine blinde Empörung, aber eine gleichwertige Ablehnung. Nur weil ein Land kulturell,in Sachen Emanzipation, oder sonstwie hinter uns zurückliegt, rechtfertigt das eine solche Verhaltensweise aus meiner Sicht nicht. Das schwächt deine Beispiele ab. Deutschland ist auf dem Level der dummen Kommentare, was du anprangerst, Spanien ist noch auf dem Begrabschen-Level, was Du aber als deren aktuellen Stand akzeptierst. Was macht den deutschen Level beklagenswerter als den spanischen?

  9. Du verstehst mich vollkommen falsch! Ich akzeptiere das überhaupt nicht. Das habe ich doch gerade noch einmal betont. Ich sehe es nur in einem kulturellen Zusammenhang, verstehe also woher es kommt und meine, dass Spanien da noch einen weiteren Weg hat als wir. Derartiges Verhalten würde ich in Deutschland weniger akzeptieren, da wir hier meiner Meinung nach auf einem anderen Stand sind. In Spanien ärgere mich mich natürlich trotzdem und ich habe mehrfach betont, dass ich dieses Verhalten nicht richtig finde – unabhängig davon, wie freundlich ich mich gegenüber einem Mann verhalte. Dennoch denke ich, ist ein gewisses Maß an Verständnis darüber notwendig, dass die Gedanken über Feminismus und Gleichberechtigung, die wir uns hier machen, dort vielleicht in diesem Maße noch nicht angekommen sind. Ich möchte nicht jemanden dafür verurteilen, dass er etwas nicht weiß, was ihm niemand beigebracht hat! Wie ich schon sagte: Ich sehe uns alle als Kinder desselben Systems und verstehe, wie schwierig es ist, aus diesem System auszubrechen. Mein Ärger richtet sich nur gegen jene, die sich trotz der Diskussion hierzulande dem Thema gegenüber vollkommen verschließen. Ich denke, es gibt da einen gewaltigen Unterschied! Den konkreten spanischen Männern aus meinem Beispiel hat vermutlich noch nie jemand einen Vortrag über Sexismus gehalten.

  10. Vielen vielen Dank für deinen klugen Text und ein High Five an dich. Was du geschrieben hast, ist wichtig und macht mir Mut mich gut um die Seite alltagssexismus.de zu kümmen. Merci.

    (Und wie du Sexismus nicht hinnehmen musst, hast du auch jedes Recht, Kommentare, die dich angreifen oder beleidigen zu löschen. Das kann durchaus befriedigen. ;))

  11. Anonym

    Man sollte sich nur einmal deine anderen/älteren Blogeinträge snsehen. Es wimmelt nur so von sexistischen und antiquierten Männer/Frauen Clichés! Auch deine Wortwahl mit der du dich über zum Beispiel ein „assoziales“ Kind auslässt und dieses als „dämlich“ beschreibst sagt eigentlich schon alles!

  12. Sehr gut beobachtet! Auch ich mache eine Entwicklung durch. Wie ich schon in meinem Text gesagt habe, bin ich gerade erst dabei, meine eigene feministische Identität zu kreieren und kämpfe jeden Tag von neuem mit den in mir verwurzelten Strukturen und Vorurteilen.
    Nichtsdestotrotz bitte ich zwischen offensichtlich ironischen und bewusst polemisch formulierten Texten und ernsten Texten zu unterscheiden.

  13. Anonym

    Stimme in allen erwähnten Beispielen zu!!
    ich selber erlebe solche Situationen auch oft. Als generell sehr freundlicher Mensch erlebe ich oft, das dies missverstanden wird. Ich kläre dann regelmäßig auf, es bleibt aber ein komisches Gefühl der vermeintlichen „Schuld“ zurück. Meine Freundlichkeit bin ich nicht gewillt einzustellen.
    Ich finde Dich sehr mutig, Sophie!!
    Meinst Du es ist machbar, solche Diskriminierung abzuschaffen??

  14. Anonym

    Danke für diesen tollen Blogpost 🙂 Er macht Mut auch weiterhin aufzuschreien. Und die Reaktionen sind, wie du ja auch selbst sagst, Teil des Problems.

  15. Ich sehe noch einen anderen Grund, warum die Reaktion auf Sexismus teilweise so krass ausfällt, als „hysterisch“ (siehe auch http://www.identitaetskritik.de/psychiatrisch-patriarchale-kontrolle-teil1/) wahrgenommen wird:

    Das Patriarchat ist so allgegenwärtig, Sexismus so mächtig und selbstverständlich, und wie Du geschrieben hast, die Personen, die da dagegen sind, meist in der Minderheit und in einer schwächeren Position, so dass es sich wie Ausgeliefertsein anfühlen kann. Und es gibt wenig, dass bei mir stärkere Wut und extremere Reaktionen hervorrufen kann, als das Ausgeliefertsein gegenüber einem übermächtigen gewalttätigen System.

    Da ist wirklich das Auf-Sich-Nehmen der Schuld und die Schuldumkehr, die ja auch ein Gefühl von Kontrolle über das Schicksal vorspiegelt („wenn ich nur … mache, dann passiert mir nichts“) eine verständliche Reaktion, um diesem Gefühl des Ausgeliefertseins zu entkommen, auch wenn das wieder die sexistischen Strukturen bestärkt.

  16. Solche Bemerkungen wie diese hier „Lies dir den Stuss den du da schreibst bitte nochmal durch…“ kenne ich auch zur Genüge. Ich soll als Autorin meiner eigenen Zeilen meinen eigenen Text noch einmal durchlesen? Ich habe ihn geschrieben und weiß, wie ich ihn gemeint habe. Auch solche Ratschläge wie „denk mal darüber nach“ o.ä. gehen in dieselbe Richtung. Jemand, der so etwas einem anderen Menschen sagt, hat nicht ansatzweise begriffen, wo seine Zuständigkeiten liegen. Dass seine Baustellen bei ihm selbst liegen und nicht bei anderen. Der erste Kommentar schon zeigt leider, dass auch Frauen sich so dermaßen unreflektiert verhalten können, dass jeder Versuch, sie darauf aufmerksam zu machen, sinnlos ist. Ich würde solche Kommentare löschen, denn sie sind destruktiv und vergiften die Atmosphäre. Ich danke dir für deinen mutigen und aufrichtigen Artikel, er spricht mir aus der Seele.

  17. Hysterie kann aber auch eine Form der Emanzipation sein. Mit Deleuze hat das Michaela Ott sehr schön anhand des Melodrams gezeigt, aber das ist wahrscheinlich etwas zu wissenschaftlich… Kurz: manchmal ist die erlernte Reaktion in eine bewusst inszenierte Form zu bringen und zu benutzen. Emanzipation und Sexismus ist insgesamt so ein komplexes Thema, heieieiei… Danke, Sophie, dass du es mal wieder ansprichst!

  18. Anonym

    Simply underfucked – wie sonst kommt so etwas zustande

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