„Back to Trouble“ oder „Wie man seine_n Ex verliert“

Manche Beziehungen dauern nur einen kurzen Atemzug lang, andere sind so langatmig, dass mensch am Ende genug Sauerstoff für eine Mondkolonie gesammelt hat. Die Qualität ist für die Dauer einer Beziehung übrigens total unerheblich. Mensch kann lange schlechte und kurze gute Beziehungen führen, wenn auch – und eins soll ja auch ehrlich bleiben – die kurzen Schlechten den größten Teil ausmachen. Aber wie schlecht auch das einst traute Liebesglück geendet ist (und es kann auch enden, ohne dass es jemals „traut“ war), schaut eins am Ende doch mit einer gewissen Nostalgie auf die wenigen gemeinsamen Momente zurück, die trotz Trennungshass positiv in Erinnerung geblieben sind.
 
Absurder Weise muss eins dann feststellen, dass die Momente, die geradezu in die Hirnhaut eintätowiert zu sein scheinen, solche sind, in denen eins sich über den_die Getrennte_n geärgert hat. Plötzlich ist es putzig, dass er_sie immer die Klobrille oben ließ und eins ertappt sich dabei, sie mit Absicht hochzuklappen, um die Illusion seiner Anwesenheit aufrecht zu erhalten. Schlechte Angewohnheiten werden liebenswert, Streitigkeiten bleiben als Situationen besonders großer Nähe im Gedächtnis. 90% aller Lieder im Radio erinnern nur an eine Person, als wären sie vom selben Interpreten nur für diesen einen Menschen geschrieben worden. Gemeinsam eingenommene Nahrungsmittel schmecken nicht mehr, werden aber trotzdem gegessen, um die herrlich bittersüße Erinnerung möglichst präsent zu haben.
 
Einzelne Sternstunden der Beziehungen bleiben wie Fotografien im Gedächtnis heften: Er, wie er auf einem gemeinsamen Urlaubsausflug am helllichten Tage in die Blumendeko eines 5-Sterne-Hotels uriniert, bevor wir wieder in unser ½-Sterne-Hostel zurückkehren. Sie, wie Sie nachts um 3 auf einem Küchenstuhl stehend aus vollem Halse „Am Tag als Conny Kramer starb“ zum Besten gibt und sich erst durch eine klopfende Beschwerde der Nachbarin zum Aufhören bewegen lässt. Er, wie er mich nach einem Urlaub vom Flughafen abholt, mit einer Schale Brombeeren, die sich durch meine stürmische Umarmung über den gesamten Terminal verteilen.
 
All the jokes, all the lost cartoons. (Allen Ginsberg)

One thought on “„Back to Trouble“ oder „Wie man seine_n Ex verliert“

  1. Kai

    Ein Text voll tiefschürfender Gedanken, die wiederum den Leser nachdenklich stimmen dürften.Denn wer kennt nicht die hier beschriebenen, das Gehirn zermarternden und das Herz zerfressenden Einflüsterungen, die uns das Unterbewußtsein nach einer Trennung so schmerzlich in periodischen Abständen vor unser geistiges Auge führt…?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>